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Facilitation als Kernkompetenz in der Beratung von Organisationen

‘Organisationsentwicklung’ hat viele Bedeutungen. Ich möchte hier nicht den Versuch einer umfassenden Definition machen, sondern eine der Kernkompetenzen darstellen, die für die Beratung im Feld der Organisationsentwicklung sehr zentral ist: Facilitation.

Seit 1985 beschäftige ich mich intensiv damit. Zuerst während meiner Gruppendynamischen Ausbildung bei der DAGG, später als Moderator vieler interner Workshops und während meiner Zeit bei Mercedes-Benz. 2006 habe ich mich bei der IAF zertifizieren lassen und seitdem auf Kongressen, auf Workshops und in vielen internationalen persönlichen Begegnungen immer wieder die Funktion, die Rolle und die Instrumente von ‘Facilitation’ reflektiert.

Organisationsentwicklung hat immer etwas mit Gruppen zu tun, Veränderungsprozesse ohne Kommunikation sind nicht möglich.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle als Zitat die Definition der IAF (www.iaf-world.org/site/professional/core-competencies) in der Übersetzung von Jutta Weimar darstellen, die auch zur Gruppe von IAF Deutschland gehört. Vieles, was man darin lesen kann, findet sich auch im Selbstverständnis von BeraterInnen der ‘Organisationsentwicklung’ oder in der Tradition der deutschen ‘Moderation’ wieder, aber es ist sehr auf den Aktionen der Gruppe in der angeleiteten Zusammenkunft/Arbeit fokussiert – und damit aus meiner Sicht sehr deutlich.

IAF Certification
IAF Facilitator Kernkompetenzen
A. Eine kooperative Beziehung mit den Auftraggeber/-innen schaffen
1. Entwickeln einer Arbeitspartnerschaft
• Klären von gemeinsamer Verbindlichkeit
• Schaffen von Konsens über Aufgaben, erwünschte Ergebnisse und Resultate, 
Rollen und Verantwortlichkeiten
• kooperative Werte und Prozesse leben, z.B. in Co-Facilitation
2. Prozesspläne entwerfen und anpassen, um die Anforderungen der Auftraggeber/-innen zu treffen
• Bedarfe der Auftraggeber/-innen feststellen
• Zu Beginn mit den Auftraggeber/-innen Ausmaß und Qualität der 
Intervention und messbare Erfolgsfaktoren der Zusammenarbeit definieren
• Angemessene Prozessdesigns entwerfen, um die erwünschten Ergebnisse und 
Resultate erreichbar zu machen
• Das Umfeld der Organisation analysieren
3. Veranstaltungsserien effektiv führen
• Mit den Auftraggeber/-innen einen Vertrag über Umfang und gewünschte Ergebnisse und Resultate schließen
• Einen Veranstaltungsplan entwerfen
• Events erfolgreich durchführen
• Die Zufriedenheit der Auftraggeber/-innen während aller Etappen des 
Projekts/ der Veranstaltungen feststellen und
B. Angemessene Gruppenprozesse planen
1. Klare Methoden und Prozesse auswählen, um
• offene Beteiligung zu fördern in Bezug auf Kultur und Normen der Auftraggeber/-innen und Diversität der Teilnehmenden
• diverse Lern- und Denkstile zu beteiligen
• ein hoch qualitatives Ergebnis und Resultat zu erzielen, um die 
Anforderungen der Auftraggeber/-innen zu treffen
2. Vorbereitung und Gestaltung eines den Gruppenprozess unterstützenden Rahmens (Zeit und Raum)
• Den physischen Raum so organisieren, dass er dem Zweck der Veranstaltung 
dient
• Effektive Nutzung der Zeit planen
• Eine zielführende Atmosphäre und Dramaturgie für die Veranstaltung 
bereitstellen
C. Eine partizipative Umgebung schaffen und erhalten
1. Fertigkeiten in beteiligungsorientierter Kommunikation zeigen
• Eine Vielfalt von partizipativen Prozessen anwenden
• Kompetenz in zielführender, lösungsorientierter Sprache zeigen
• Rapport mit den Teilnehmenden herstellen
• Aktives Zuhören praktizieren
• Sinnesspezifische Wahrnehmung und Feedback als Kompetenz aufzeigen und 
zur Verfügung stellen
2. Würdigen und Anerkennen von Diversität, Teilhabe Aller sicherstellen
• Möglichkeiten für die Gruppe schaffen, um von der Vielfalt der Teilnehmenden zu profitieren
• Bewusstheit und Sensibilität über Vielfalt kultivieren
3. Konflikte in der Gruppe managen
• Individuen helfen, Konflikten zugrunde liegende Annahmen zu identifizieren und zu überprüfen
• Konflikt als Teil eines Lern- und Reifungsprozesses in der Gruppe anerkennen 
Eine sichere Umgebung schaffen, in der Konflikte offensichtlich werden 
dürfen
• Mit spaltendem und zerstörerischem Verhalten in Gruppen umgehen
• Die Gruppe in der Transformation von Konflikten unterstützen
4. Kreativität in der Gruppe hervorlocken
• Lern- und Denkstile aller beachten und einbeziehen
• Zu kreativem Denken ermutigen
• Alle Ideen respektieren
• Arbeitsweisen nutzen, um den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Gruppe 
bestmöglich zu entsprechen
• Gruppenenergie stimulieren und
D. Die Gruppe zu angemessenen und nützlichen Ergebnissen und Resultaten führen
1. Die Gruppe mit klaren Methoden und Prozessen leiten
• Die Veranstaltung in einen klaren Kontext setzen
• Techniken wie aktives Zuhören, Fragen stellen und zusammenführen nutzen, 
um der Gruppe zu helfen, sich selbst zu verstehen
• Erkennen, wenn die Gruppe vom Thema abweicht und den Fokus wieder auf 
das gemeinsame Ziel richten
• Wechsel von Prozessen in der Gesamtgruppe und Kleingruppenarbeit 
organisieren
2. Selbsterkenntnis in der Gruppe in Bezug auf die Aufgabe begleiten
• Das Tempo in Bezug auf die Bedürfnisse der Gruppe variieren
• Herausfinden, welche Informationen die Gruppe braucht und Einsichten für 
die Gruppe entdeckbar machen
• Der Gruppe helfen, Muster, Ursachen, Trends und Bezugssysteme für die 
aktuelle Situation und die gewünschte Zukunft zu finden
• Der Gruppe darin assistieren, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren
3. Die Gruppe im Konsens zu gewünschten Ergebnissen führen
• Eine Vielzahl von Ansätzen nutzen, um Konsens in der Gruppe herzustellen
• Eine Vielzahl von Ansätzen nutzen, um Gruppenziele zu erreichen
• Den Prozess sich ändernden Situationen und Bedürfnissen in der Gruppe 
anpassen
• Entwicklung in der Gruppe wahrnehmen und kommunizieren
• Die Erfüllung der gestellten Aufgabe fördern
E. Professionelles Wissen aufbauen und erhalten
1. Eine Wissensbasis pflegen
• Über Kenntnisse in Management, Organisationsentwicklung, Gruppenentwicklung, Psychologie und Konfliktransformation verfügen
• Die Dynamik von Veränderung verstehen
• Lern- und Denktheorien verstehen
2. Eine Vielzahl von Methoden kennen
• Problemlösungs- und Entscheidungsmodelle kennen
• Eine Vielzahl von Gruppentechniken und Methoden kennen
• Mögliche Konsequenzen falscher Anwendung von Gruppenmethoden kennen
• Den Unterschied zwischen Prozess und Aufgabe bzw. Inhalt kennen und 
kommunizieren
• Neue Prozesse, Methoden und Modelle lernen, um die Auftraggeber/-innen in 
deren sich verändernden Anforderungen zu unterstützen
3. Professionalität erhalten
• Sich in laufenden Studien/ Lernprozessen, die in Beziehung zu unserem Feld stehe engagieren
• Auf dem Laufenden sein über neue Erkenntnisse in unserer Profession
• Reflexion und Lernen praktizieren
• Wissen und Netzwerke aufbauen
• Die Zertifizierung aufrecht erhalten
F. Ein Modell für positive professionelle Haltung sein
1. Selbstbeobachtung und Selbstbewusstheit praktizieren
• Über das eigene Verhalten und dem daraus Resultierenden reflektieren
• Sich in Kongruenz zu persönlichen und professionellen Werten verhalten
• Das eigenes Verhalten in Bezug auf die Bedürfnisse der Gruppe variieren
• Ein Verständnis entwickeln bezüglich der eigenen Werte und deren 
potentiellen Auswirkungen auf die Arbeit mit Auftraggeber/-innen
2. Integer handeln
• Den Glauben an die Gruppe und deren Möglichkeiten zeigen
• Jeder Situation mit Authentizität und einer positiven Haltung begegnen
• Die Sicht des Facilitators nutzen, um aufkommende Situationen 
wertschätzend zu beschreiben und unterschiedliche Sichtweisen zu erkunden 
Ein Modell sein für professionelle Grenzen und Ethik (wie beschrieben in 
Ethik und Werteerklärungen)
3. Im Vertrauen in das Potential der Gruppe ein Modell für Neutralität sein
• Die Weisheit der Gruppe wertschätzen
• Die Gruppe darin ermutigen, Vertrauen in das Vermögen und die Erfahrung 
Anderer zu haben
• Wachsam auf mögliche Beeinflussung der Gruppenergebnisse achten, um 
diese zu minimieren
• Eine neutrale, offene und nicht-wertende Einstellung erhalten